Bei welcher Temperatur serviert man Wein?

Die perfekte Trinktemperatur eines Weines ist ein viel diskutiertes Thema. Es gibt viele Meinungen und fast nie kommt man auf einen Nenner. Normalerweise wird gesagt, dass Weißwein kalt und Rotwein bei Raumtemperatur getrunken werden sollte.
Doch was bedeutet kalt? Die Bedeutung von kalt variiert je nach Jahreszeit und persönlichem Empfinden. Kälte im Sommer ist nicht die gleiche Kälte wie im Winter.
Und was bedeutet Raumtemperatur? Die Raumtemperatur in Deutschland ist nicht die gleiche Raumtemperatur wie in Spanien. Und die Temperaturen in einer Bodega sind auch anders als die bei einem zu Hause.

 

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Foto von Victor (CC BY 2.0)

Bevor man die Frage nach der perfekten Trinktemperatur beantwortet, ist es wichtig zu verstehen, wie die Temperatur unsere Wahrnehmung und unseren Geschmack beim Trinken beeinflusst.

Umso kälter der Wein, desto mehr verstecken sich die Aromen. Es ist schwieriger bei kaltem Wein unterschiedliche Geschmacksnuancen zu bestimmen. Man muss aber auch bedenken, dass umso wärmer ein Wein ist, desto mehr schmecken wir salzige, bittere und saure Aromen.
Die Mindesttemperatur eines Weines liegt bei 4-5° Celsius. Bei kälteren Weinen gehen fast alle Aromen verloren und das Trinkgefühl ist unangenehm, da der Körper auf die Kälte mir Schmerz reagiert. Genauso verhält es sich bei zu warmen Weinen. Die Aromen verändern sich wenn der Wein zu warm wird. Bei Hitze verdampft der Alkohol und süße und bittere Aromen werden hervorgehoben. So liegt die maximale Trinktemperatur eines Weines bei 21° Celsius.

Wie bestimmen wir nun die „perfekte“ Temperatur zwischen 4° und 21° Celsius?

Dies ist Abhängig davon, was wir bei unterschiedlichen Gelegenheiten von dem Wein erwarten. Fruchtige und blumige Weiß- und Roséweine trinkt man am besten kalt, bei 5°-8° Celsius. Diese Weine sollen erfrischend und belebend wirken. Bei Weiß- bzw. Roséweinen, die einen längeren Reifungsprozess hinter sich haben und somit Röst- und Holzaromen besitzen, kann man die Temperatur auf 10°-12°-14° Celsius anheben. Somit können sich die Aromen besser entfalten, ohne dass der Wein an Frische verliert.

Rotweine sollten nie so kalt wie Weißweine serviert werden, da sonst die Tannine, welche wichtig für die Struktur des Weines sind, nicht zum Vorschein kommen. Junge, leichte Rotweine, die durch eine Kohlensäuremaischung gewonnen wurden, können bei 12-14° Celsius getrunken werden. So werden Fruchtnoten hervorgehoben und bittere Tannine in den Hintergrund verdrängt. Kräftige Rotweine mit einer komplexeren Aromendichte, bei denen die Tannine und die herben, würzigen Aromen eine wichtige Rolle spielen, lassen sich bei 17-18° Celsius gut trinken. Jedoch nie über 21° Celsius, da sonst der Wein einen starken alkoholischen Geschmack annimmt.

Aperitif- und trockene Schaumweine, wie z.B. Sherrys oder Finos trinkt man bei 7-10° Celsius. Eine erfrischende Temperatur, die eine Entwicklung der Aromen zulässt. Bei komplexeren und älteren Sherrys kann man die Temperatur bis auf 14° anheben, um Geruchs- und Geschmacksnuancen zu verstärken.

Um den Zuckeranteil in Dessert- und halbtrockenen Schaumweinen nicht unnötig hervorzuheben, sollten diese Weine sehr kalt, bei 4-5° Celsius, serviert werden. Hier gilt das gleiche wie bei Sherrys oder Weißweinen: Wenn der Dessertwein komplex und vielschichtig ist, kann die Temperatur angehoben werden.

Man muss bedenken, dass die Temperatur des Weines im Glas, abhängig von der Außentemperatur, um 3-4° Celsius variieren kann. Auch muss man Geduld mitbringen, wenn man die gewünschte Trinktemperatur erreicht werden will. Zu schnelle Temperaturschwankungen können den Wein beschädigen. Gefrierfach und Hitzequellen, wie Heizung oder Kochplatten, sind Tabu.
Da Geschmäcker bekanntlich unterschiedlich sind, sollte jeder seine Lieblingstemperatur für sich entdecken. Versuchen Sie mal einen komplexen Weißwein, einmal bei 15° und einmal bei 5° Celsius, zu trinken. Sie werden die unterschiedlichen Aromen und Geschmacknuancen bemerken und sich wundern, dass es sich um denselben Wein handelt.

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