Industrieller Weinanbau und traditioneller Weinanbau

“Der Wein beginnt mit dem Weinberg”, dies ist ein Satz, den wir oft hören, wenn wir eine Bodega besichtigen. Bevor man in Erfahrung bringt, wie ein Wein hergestellt wurde, sollte man erst einmal wissen, wo er herkommt. Aus diesem Grund werden wir analysieren, wie die Evolution der Weinanbaugebiete in Spanien nach der Einführung der industriellen Landwirtschaft ablief.

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Weinberge by SOPHOCO (CC by 2.0)

Die industrielle Landwirtschaft hat sich nach dem zweiten Weltkrieg massiv weiterentwickelt, da eine Bevölkerung mit geringen Ressourcen einen hohen Bedarf an Lebensmitteln hatte. Die Industrialisierung des Weinbaus begann bereits Ende der 40er Jahre, verbreitete sich jedoch erst in den 60er Jahren in Spanien.

Gemäß der FAO (Food & Agriculture Organization) ist “industrielle Landwirtschaft die Konzentration auf die Massenkultivierung von Lebensmitteln für den Konsum des Menschen. Sie bringt einen hohen Automastisierungsgrad mit sich und benötigt hohe Investitionen bezüglich: Kapital, Energie, sowie natürlichen und künstlichen Ressourcen. Für gewöhnlich benötigt die industrielle Landwirtschaft externe Hilfsmittel, sowie die Beratung durch Spezialisten.”

Die Staaten unterstützen die Industrialisierung der Landwirtschaft, indem sie Bewässerungssysteme, Düngemittel, chemische Herbizide und Maschinen bereit stellen. Des Weiteren haben teilweise die produktivsten Klone die einheimischen Weinsorten von den Weinbergen der großen Regionen substituiert. Die Industrialisierung bringt ebenfalls die Homogenisierung von Prozessen, die systematische Düngung und die chemische Behandlung mit sich. Das Ziel hierbei ist es, den Weinberg vor Krankheiten zu schützen und die Ernte zu sichern.

Der massive Einsatz von Düngemitteln hat die Produktion zum Ende der 60er Jahre optimiert und somit die Entstehung von riesigen industrialisierten Bodegas ermöglicht. Die großen Bodegas können ein hohes Produktionsvolumen gewährleisten, welches letztendlich zu deutlichen Kostenersparnissen und zu einer zahlenmäßigen Konzentration auf wenige Bodegas führt.

Der Industrialisierungsprozess der Landwirtschaft und des Marktes im allgemeinen führte dazu, dass in ländlichen Zonen des traditionellen Weinanbaus, wie dem Priorat, Gredos, Ribeira, Sacra oder Bierzo (Gebiete, die aufgrund ihrer Orographie schwer zu mechanisieren sind) einige Weinberge aufgegeben wurden, anstatt diese, wie in anderen spanischen Regionen (La Mancha, La Rioja, Castilla León) weiterzuentwickeln.

Ab den 90 Jahren wurde vorherrschend industrieller Weinanbau betrieben. Jedoch gab es einige Winzer, die Lust hatten den Charakter und die Identität der Regionen zurückzugewinnen. So begannen sie damit, alte traditionelle Techniken wieder zu nutzen und das gewonnene technische Wissen aus den Jahren der Industrialisierung einfließen zu lassen.

Die traditionelle Landwirtschaft ist ein Produktionssystem, welches auf den uralten Praktiken und Kenntnissen basiert, die im Laufe der Geschichte entwickelt wurden. Der Anbau wird auf eher kleineren Flächen durchgeführt, um die Pflanzen besser observieren zu können und somit mögliche zukünftige Krankheiten zu antizipieren. Es wird keine systematische Düngung des Bodens vorgenommen, sondern es werden jährlich die möglichen Mängel analysiert, die die Pflanzen betreffen könnten und auf diese reagiert. Aus diesen Vorgängen ergibt sich die ökologische und biodynamische Landwirtschaft.

Viele derer, die einst der industriellen Landwirtschaft den Rücken gekehrt haben, sind nun die Anführer in der spanischen Weinszene. Hervorstechende Namen, die Weinbau auf traditionelle und nachhaltige Weise betreiben, sind Comando G in Gredos, Raúl Perez und Ricardo Palacios in Bierzo, Sara Pérez und Rene Barbier in Monsant-Priorato, 4 Kilos auf Mallorca und die Projekte des Teams Envínate, die in der Rückgewinnung von entlegenen Gebieten auf Teneriffa aktiv sind. Auch in den großen Zonen gibt es Winzer, die danach streben die Identität der Region durch kleine bis mittelgroße Projekte wiederzugewinnen. Dies versuchen beispielsweise Jorge Monzón in Dominio del Águila in Ribeira de Duero, sowie Roberto Olivan in der Rioja.

Heutzutage sind die beiden Weinanbauarten aufeinander abgestimmt. Es existiert eine Symbiose zwischen dem industriellen und dem traditionellen Weinanbau. Diese Symbiose führt zu neuen Kenntnissen mit Hilfe derer versucht wird, den industriellen Weinanbau nachhaltiger zu gestalten, den Einsatz von chemischen Produkten zu reduzieren und eine integrierte Form des Weinanbaus zu realisieren.

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